KIRBY STAR ALLIES

HAL Laboratory

(16.03.2018)


Während in Europa 2011 gleich zwei Kirby Spiele für die Wii erschienen - "Kirby's Epic Yarn" und "Kirby's Adventure Wii" (auch bekannt als "Kirby's Return to Dream Land"), tauchte der rosa Ball auf der Wii U erst wieder 2015 auf, um noch mal schnell in die ohnehin schon am Boden liegende Plattform mit "Kirby and the Rainbow Paintbrush" so richtig fett rein zu treten (statt Paintbrush heißt es in den USA übrigens viel passender Curse = Fluch). Da das Spiel voraussetzt, dass ich auf den Fernseher schaue, während ich gleichzeitig auf dem Gamepad male, ich aber keine Augen wie ein Chamäleon habe, ist "Rainbow Paintbrush" komplett unspielbar.

Wie würde es 2018 nun weitergehen? "Epic Yarn" war eines der optisch beeindruckendsten Spiele auf die Wii, hatte aber in "Yoshi's Woolly World" (2015) bereits seine quasi Fortsetzung gefunden. Also wurde das eher platte Konzept von "Adventure Wii" reaktiviert, das insbesondere auf kooperativen Multiplayer für bis zu vier Spieler setzt, und die Entwickler von HAL Laboratory mit einer Lastwagenladung voll Designerdrogen so lange eingeschlossen, bis sie mit "Kirby Star Allies" fertig waren.

Trotz HD nichts zu sehen

Natürlich sieht "Star Allies" auf den ersten Blick gleich mal zwei Zacken besser als "Adventure Wii" aus, nur ist Grafik als Selbstzweck immer so eine Sache. Selbst wenn ich allein spiele, ziehe ich meistens mit drei weiteren Figuren im Schlepptau umher, wodurch ich insbesondere bei den Bosskämpfen im berüchtigten Wohnzimmer schon mal der falschen Figur mit den Augen folge. Bildschirm füllende Explosionen und eine Kamera, die sich immer wieder völlig erratisch mit einer von vier Figuren mitbewegt, helfen mir nicht gerade dabei, meine Figur auf dem Bildschirm zu finden.

Potenzieren tut sich dieses Problem, wenn man tatsächlich mit zwei oder mehr Spielern zu Gange ist. Spieler Eins hat noch relatives Glück, denn Kirby ist egal in welcher Ausprägung immer noch überwiegend rosa, die anderen Spieler behalten jedoch nicht wie in "Adventure Wii" dauerhaft ihre Figur bei, sondern schlüpfen je nach Situation in so etwa 40 verschiedene Freunde bzw. Gegner. Ich weiß ja nicht, wie es Dir dabei so geht, aber keine Vitamin A Dosis dieser Welt reicht aus, um meinen Sehnerv dermaßen zu stählen, dass ich nicht andauernd die Übersicht verliere und mich immer wieder mal für den anderen Spieler oder sogar einen der Gegner halte.

Teile die Controller - und Dein Hirn!

Gekauft habe ich "Star Allies" in dem Glauben, ich könnte ohne weitere Kosten mit meinem Sohn zusammen spielen. "Teile die Joy-Con-Controller, um zusammen spielen zu können", heißt es überall. Dem ist nicht wirklich so! Entweder man gibt Geld für eine Schrumpfkanone aus, damit man die Controller tatsächlich längere Zeit ohne Krämpfe in den geschrumpften Händen halten kann oder ein weiterer Controller muss her - für den schmalen Geldbeutel würde ich hier das kabelgebundene GAME:PAD S von snakebyte empfehlen, jedenfalls wenn es einem tatsächlich nur darum geht "Star Allies" zu spielen.

Aber auch der Multiplayermodus ändert rein gar nichts daran, dass "Star Allies" eine selten anspruchslose Angelegenheit bleibt. Zu sterben ist richtig, richtig schwer - zur Zeit haben ich 48 Leben auf der hohen Kante - und die Rätsel rechtfertigen schon wie letztes Jahr bei "Hey! Pikmin" (2017) eigentlich nicht, sie überhaupt so zu nennen. Die Lösung ist nicht nur immer offensichtlich - z. B. eine Lunte mit Feuer anzuzünden - sondern wird mir immer gleich mit präsentiert - um beim Beispiel zu bleiben wartet also der Feuergegner auf seine Übernahme 300 Pixel entfernt.

Waaahahaha! Das ist ja NUR witzig!

Das eingangs erwähnte "Epic Yarn" hatte durchaus eine (wenn auch kindgerechte) Handlung, während "Star Allies" über zwei Welten braucht (das ist mehr als die Hälfte), um überhaupt mal eine Sprechblase zu produzieren, die dann aber auch so gut wie nichts erklärt. Was auf dem Bildschirm erscheint, darf getötet werden. Ich schlage einfach auf den nächsten Zwischenboss ein, damit ich anschließend mit ihm umherziehen kann. Ich kann ja immerhin auch noch Puzzleteile sammeln, die nach und nach ein so dermaßen potthässliches Bild ergeben, dass ich zu gern darauf verzichtet hätte.

Ansonsten liegt der Fokus ausschließlich darauf jede Menge Dummfug in Form von abgedrehten Fähigkeiten und Angriffen zu produzieren. Etwa wenn Kirby seine Begleiter erst mit einem Staubsauger ansaugt und sie anschließend brutal gegen alles auf den Bildschirm krachen oder wenn er mit drei Freunden ein Rad bildet und die vier Kameraden dann absolut alles plätten, was ihnen - nun ja - unter das Rad kommt. Auch seltsamste Buffs wie "Festival Dance" oder "Fatal Chorus" brachten mich immer wieder zum Lachen - mehr aber auch nicht.

Fazit:

Kirby Spiele waren noch nie hochgeistig und das ist auch echt okay, denn man darf nicht vergessen, dass die ersten Spiele für den Gameboy erschienen sind - und der hatte vier Grautöne. Nur befindet sich "Star Allies" mir persönlich etwas zu sehr im Recycling Modus. Klar gibt es auch vereinzelt die eine oder andere neue Idee, nur ist das alles nicht so furchtbar wesentlich oder bahnbrechend. Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich mich schon allein darüber freuen soll, dass wieder alle Figuren der letzten 25 Jahre mit an Bord sind.

Einige Kritikpunkte sind sicherlich meckern auf hohem Niveau - z. B. das die Musik durchgängig zwischen schlechter Witz und witzig pendelt - aber wer nicht mal in der Lage ist, 2018 eine Seite Text zu vertonen, der soll sich schämen. Das Spiel ist doch eindeutig eher für Kinder im Vorschulalter als für Erwachsene konzipiert und in dem Alter können Kinder in aller Regel noch nicht lesen. Ein Witz ist auch die Spieldauer von gerade einmal zehn Stunden, die ich dazu in völlig generischer Umgebung zubringe, so dass ich mich an absolut kein Details der Spielwelt erinnern kann. Und von den ganzen Figuren weiß ich nur noch, dass kaum jemand Arme, Beine oder einen Kopf hat.

Dass es an allen Ecken kracht und das Spiel einige Schenkelklopfer provoziert, ist eine tolle Sache, kann aber auf Dauer die erschreckende Niveaulosigkeit der Kämpfe und Rätsel nicht kompensieren. In "Star Allies" zu sterben, ist eine ganze Ecke schwerer als nicht zu sterben, obwohl ich meine Spielfigur immer wieder aus den Augen verloren habe. Selbst das eigentlich seichte "Adventure Wii" oder auch das 3DS Spiel "Kirby: Triple Deluxe" (2014) haben im direkten Vergleich mit "Star Allies" einen geradezu satten Schwierigkeitsgrad.

Im Ergebnis kann ich allen Erwachsenen, die keine beinharten Kirbyfans sind, nur dringend vom Kauf abraten. Selbst das letztlich enttäuschende "Super Mario Odyssey" (2017) dürfte für den Durchschnittsspieler die wesentlich bessere Wahl sein. Auch mein mittlerweile achtjähriger Sohn, der etwa ein Viertel des Spiels bewältigt hat, hat bisher nicht danach verlangt, dass wir weiterspielen. Stattdessen hat er seine knapp bemessene Videospielzeit lieber genutzt, um mit mir zusammen weitere Missionen in "Pikmin 3" (2013) auf Platin abzuschließen oder "Ni no Kuni: Der Fluch der weißen Königin" (2013) zu spielen.



  POSITIV:
  - witzig


  NEGATIV:
  - viel zu leicht
  - viel zu kurz
  - zu wenig Neues