DONKEY KONG COUNTRY:
TROPICAL FREEZE

Retro Studios,
Monster Games &
Nintendo SPD

(21.02.2014)


Da saß ich nun also mit meiner Wii U. "Pikmin 3" (2013) und auch "Super Mario 3D World" (2013) hatte ich mit Sohnemann rauf und runter gespielt, aber seitdem war ich weder mit "Mario Kart 8" (2014) noch dem Starttitel "New Super Mario Bros. U" (2012) oder dem optisch überragendem "Rayman Legends" (2013), weil beide für Zwerg zu schwer sind, noch mit der neuesten großen Veröffentlichung zum Weihnachtsgeschäft 2014 "Super Smash Bros." besonders glücklich geworden, weil sich leider herausstellte, dass es so gar nicht mein Ding ist.

Als jahrelanger Nintendoverächter kannte ich den Affen mit dem seltsamen Vornamen Donkey lediglich als bewegungsarmen Bösewicht aus dem Spielhallenhit "Donkey Kong" von 1981, den ich dann so ab 1984 stundenlang auf meinem C64 zockte. Der Griff zu "Donkey Kong Country: Tropical Freeze" war also so mehr ein Griff ins Blaue, denn alles zwischen "Donkey Kong Country" (1994) und dem Rivival auf der Wii "Donkey Kong Country Returns" (2010), das ich jetzt erst nachträglich spiele, war mal eben komplett an mir vorbeigegangen.



Überraschung! Überraschung!

Große Erwartungen hatte ich also keine, als ich die Wii U unter Strom setzte und die Disc einschob - und wurde fast umgeblasen. "Tropical Freeze" hat genau dieses Stück mehr Freiheiten beim Design, die ich mir bei "Super Mario 3D World" oft fehlten, dieses Stück mehr Qualität bei der Grafik (wirkt in Bewegung deutlich besser als hier auf den Standbildern), das es wie einen aktuellen Titel aussehen lässt und nicht etwa wie das ultraaltbackende "New Super Mario Bros. U", das genausogut ein Nintendo 3DS Spiel sein könnte.

Aber vor allen Dingen hat es den mit einigem Abstand genialsten Koopmodus für zwei unterschiedlich "gute" Spieler. In meinem Fall kann also der jüngere Spieler in der Rolle von Dixie, Diddy oder Cranky Kong (siehe Bild unten), wenn eine Passage einfach zu knifflig wird, schnell auf die Schultern von Donkey Kong steigen und diese aber auch ebenso schnell wieder verlassen, wenn das Level wieder mehr zum Erkunden und Gegnerbespringen - da steht einer drauf, da kann ich ein Lied von singen - einläd.



Let the Hüpffest begin!

Gemessen am direkten Vorgänger "Returns" sind die echten Neuerungen (z. B. ist das Schwimmen wieder drin) in "Tropical Freeze" wie bei praktisch allen bisherigen Nintendo Veröffentlichungen auf der Wii U mit der Lupe zu suchen. Aber "Tropical Freeze" hat wenigstens viele Verbesserungen am Start. Neben natürlich viel höher aufgelöster Grafik finde ich die Musik insgesamt abwechslungsreicher (die in der dritten Welt ist einfach nur genial), die Level sind länger und laden mehr zum Erkunden ein und besonders die Steuerung ist auf dem Wii U GamePad und Wii U Pro Controller eine ganze Ecke angenehmer als das ewige Remote Geschüttel.

Apropos Wii U GamePad: Was macht wohl "Tropical Freeze" mit dem kropfartigen zweiten Grabbelbildschirm im GamePad? - Rein gar nichts! Das Ding geht nach dem Start des eigentlichen Spiels aus und bleibt aus. Keine blöden Alibifunktionen, bei denen sich sowieso jeder fragt, was der Scheiß soll, keine Gängelung bei der Controllerwahl und auch kein doofes, animiertes Anleuchten von unten - einfach perfekt. Künftige Wii U Spiele mögen sich hieran ein Beispiel nehmen. Danke!



Die Chefs von die Viehkinger

Was "Tropical Freeze" aber endgültig zur Empfehlung werden lässt, sind die besten Bosskämpfe seit "Pikmin 3". Ehrlich gesagt, kenne ich überhaupt kein 2D Spiel, was auch nur annähernd so gute Bosskämpfe auf der Pfanne hat wie "Tropical Freeze", weil es in den Kämpfen eben nicht wie so oft auf blitzschnelle Reaktionen und wahnwitziges Buttonbashing ankommt, sondern immer überlegtes und bedachtes Vorgehen gefragt ist. Außerdem führt ein einziger schlecht ausgeführter Sprung auf dem normalen Schwierigkeitsgrad nicht gleich zum Scheitern, sondern man bekommt viele Chancen, den Fehler wieder auszugleichen.

Na klar sind die Kämpfe auch hier sehr stark gescriptet und somit die Chance, beim allerersten Versuch als Sieger aus der Auseinandersetzung hervorzugehen, nicht besonders groß, aber das schmälerte für mich persönlich den Spaß kein Stück, den Sohnemann und ich dabei hatten. Auch werden die Bosskämpfe mit jeweils herrlich blöden Videos eingeleitet, in denen die von Donkey Kong geliebten Bananen meistens leiden müssen, und das Design der Bosse könnte kaum schöner sein.



Erklärbär gesucht!

Ein Bisschen seltsam ist die Situation, wenn man in "Tropical Freeze" auf etwas stößt, was man sich (zumindest als Neuling) überhaupt nicht erklären kann. Da wären etwa die KONG-Buchstaben, die man einsammeln oder es eben auch lassen kann. Die Anleitung sagt dazu: "Wenn Du alle vier Buchstaben eines Levels in einem Durchlauf findest, passiert etwas Tolles..." - nur auch nachdem ich die Anleitung gelesen hatte und extra aufmerksam war, konnte ich das Tolle nicht entdecken. Worum geht es?!?

Am schrägsten waren aber die auf der sog. Inselkarte mit einem schwarzen Kreis markierten Level, die ich ums Verrecken nicht betreten konnte, selbst nachdem ich den Boss des jeweiligen Abschnitt besiegt hatte. Die Anleitung sagt: Schwarz: Gesperrt. Also ohne Anleitung hätte ich das jetzt nicht gemerkt, aber wie ist das jetzt mit dem Entsperren?!? Natürlich bin ich dieser und anderen Sachen mit Hilfe von YouTube und Wikipedia irgendwann auf die Spur gekommen (es gibt in anderen Leveln versteckte Zugänge), aber ein Popup mit dem Hinweis "Zugang in Level XXX" wäre so! viel! geiler! gewesen!!!



Immer mit der Ruhe

Es gibt im Spiel immer wieder Abschnitte, die es zu bewältigen gilt, während man sich in einer Minenlore, einem Raketenfass (oder wie immer die korrekte Bezeichnung dafür ist) oder reitend auf einem Nasshorn wiederfindet. Besonders in diesen Abschnitten und in den Abschnitten, in denen die Levelstruktur unter und um einen herum zusammenbricht, lernt man deren Timing besser auswendig - und es gibt sicherlich Spielertypen, die damit total auf Kriegsfuß stehen, aber ich persönlich hatte nichts gegen etwas Gehirnjogging dieser Art.

Denn "Tropical Freeze" bietet zusätzliche Hilfsmittel, die für Münzen im Flugzeugladen (siehe Bild oben) eingekauft werden können, um etwa das Spiel mehrmals an einem späteren Checkpoint innerhalb eines Levels fortsetzen zu dürfen und nicht ganz am Anfang erneut beginnen zu müssen. Diese Möglichkeit regulierend in den Schwierigkeitsgrad eingreifen zu können, hielt den Spielspaß auch für einen Grobmotoriker wie mich permanent im grünen Bereich.



Fazit:
Ohne Sammelwahn und die erst einmal versperrten Level lag der letzte Boss nach etwas mehr als 20 Stunden im Staub. Für die restlichen Level würde ich bis zu 10 Stunden einplanen, es sei denn, die sog. K-Level (richtig, hat was mit den KONG-Buchstaben zu tun) stellen sich als so schwer heraus wie überall getan wird. Wer das Spiel auf Extraschwer daddeln, wirklich jedes Puzzle- und sonstewas Teil finden oder auch Bestzeiten aufstellen will, der kann noch wesentlich mehr Zeit investieren, aber für mich ist die Grenze aller Vermutung nach so bei 30 Stunden erreicht.

Was bleibt zu sagen? "Tropical Freeze" ist im Kern ein klassisches 2D Jump & Run und durch und durch Nintendokultur, aber zum Glück eben nicht in der verstaubten, ultrakonservativen Variante wie "Mario Kart 8", mit der ich wenig anfangen kann. Für mich ist "Tropical Freeze" nach meinem Liebling "Pikmin 3" klar das derzeit beste Spiel für die Wii U. Dicke Kaufempfehlung!


Steuerung (15%):
Grafik (15%):
Balance (15%):
Handlung (15%):
Sound (10%):
Zugänglichkeit (10%):
Komplexität (10%):
Spieldauer (10%):