F1 2013
Complete Edition

Codemasters
Birmingham

(23.05.2014)


Nach vielen Jahren ohne ein Lizenzspiel kehrte die Königsklasse des Motorsports 2010 ausgerechnet mit dem doch sehr mittelmäßigen "F1 2010" auf den PC zurück und eierte sich dann in den nächsten zwei Jahren in "F1 2011" und "F1 2012" durch geradezu bemerkenswert geringe Detailverbesserungen.

Für 2013 kündigte Codemasters dann außer dem jährlichen Sparflammenupdate die sog. Classic-Inhalte an (bei der Schreibweise wird mir anders) und wollte für mich etwas überraschend auch noch Extrakohle dafür sehen. Hat aber alles wohl nicht ganz so gut geklappt wie erwartet und daher gibt es jetzt gut ein halbes Jahr später die "Complete Edition" zum Sparpreis.



Classic-Inhalte

Kommen wir also zuerst gleich mal zu der größten Neuerung: Den Classic-Inhalten. Unter den kompletten klassichen Dreingaben versteht Codemasters ein paar hingepimmelte Aufgaben wie "lass Dich nicht von den anderen Autos überholen" (ach was?!?). Umfang: Ganze fünf Autos aus den 80ern, sechs Autos aus den 90ern und vier Strecken, die sich 2013 nicht im Rennkalender befanden (okay, okay, Codemasters sagt, dass sich dafür alle 1986 im Rennkalender befanden): Estoril, Imola, Brands Hatch und Jerez. Die Strecken gibt's aber nicht etwa im 80er oder 90er Jahre Layout sondern im aktuellen, was nämlich den Vorteil hat, dass Codemasters sie nicht extra neu modellieren musste. Echt klassisch, Jungs, und in dieser Form total wertvoll und so richtig stimmig.

Wobei halt, halt, halt, die alten Autos klingen längst nicht so selten beschissen, wie die meisten ultrahochtourigen 2013er Karren, die ich am liebsten nur mit Gehörschutz fahren würde, um den Rasenmähersound nicht ganz so penetrant hören zu müssen. Mir ist schon klar, dass "F1 2013" da halbwegs authentisch sein möchte, aber ich halte mir in meiner Freizeit auch keine Eisenplatte ans Ohr und bohre die dann an, von daher wäre es geil gewesen, wenn in den Optionen die Möglichkeit bestanden hätte, dass Motorengeräusch um zwei Oktaven abzusenken.



Karriere

Nach drei Jahren hätte ich ja erwartet, dass Codemasters im Rahmen der Karriere auch abseits des Qualifyings und des Rennens ein Bisschen was auf die Reihe gebracht hat. Nö, weit gefehlt! Forschung & Entwicklung etwa bringt immer noch solche absoluten Klöpse hervor wie: "Fahr mit wenig Benzin an Bord fünf Runden in 10:10,691 Minuten und der Luftwiderstand Deiner Vorderreifen verringert sich zur Belohnung um fünf Prozent." Man muss kein Autobauer sein, um zu merken, dass es da keinen Zusammenhang gibt. Außerdem wäre ich bei dem Meeting zu gern dabei gewesen, als die Zeit auf ein Tausendstel genau festgelegt wurde. Ein weiterer Lacher war, dass mir die Box, während ich versuchte diese Aufgabe zu bewältigen, in der vierten Runde standardmäßig signalisierte, ich sollte jetzt dringend reinkommen, weil mir das Benzin ausgeht...

In "F1 2010" hatte ich fast Tränen gelacht, als ich feststellte, dass meine Agentin mit neuen Teams verhandelt, indem Sie mich darauf hinweist, dass ich eine Email erhalten habe. An diesem Prinzip wurde auch in "F1 2013" festgehalten, nur der grafische Platzhalter für die Agentin ist jetzt weg und die grenzdebilen Interviews wurden durch - ja was sollen diese drei Zeilen gequirlte Kacke eigentlich sein - Zeitungsausschnitte (?!?) ersetzt, in denen steht: "Der Neue bei Williams kann sich selbst den Po abwischen. Und er benutzt Klopapier." Mächtig gewaltig, Egon! Also wenn ich diesen Schwachsinn nicht in der Ladepause lesen könnte, das ganze Spiel wäre total Scheiße.



Willkommen zum Idiotentest

Hach, stimmt ja gar nicht, dieser Blocker auf dem Weg zur Karriere heißt ja richtig Young Driver Test, ist aber genauso idiotisch wie etwa die Lizenzprüfungen in "Gran Turismo 6" (2013), macht also auch genauso viel Spaß (keinen) und ist super originell, weil kein Stück von dieser Unsitte abgekupfert. Wer also schon immer mit seinem Auto auf Kommando an der richtigen Stelle zum Stehen kommen oder Scheitelpunkte in jeder Kurve berühren wollte, der kann nun auch in "F1 2013" seinem liebsten Hobby frönen - dem absoluten und unbedingten Gehorsam.

Und wer den Aufbau der Karriere in "GRID 2" (2013) - ganz anders als ich - als besonders anbetungswürdig empfand, der kann nun unter Season Challenge etwas ganz ähnliches spielen. Ziel ist es, in nur zehn Rennen mit jeweils fünf Runden zum Champion aufzusteigen, was gar nicht so einfach ist, denn vor jedem Rennen fährt man eine einzige Runde im Qualifying - im schlimmsten Fall auf einer Strecke, auf der man noch nie oder seit Jahren nicht mehr gefahren ist. Die Zeiten der anderen Fahrer waren wenig überraschend meist einige Sekunden besser als meine und so gehörte der letzte Startplatz regelmäßig mir.



Grafik auf free-to-play Niveau

"F1 2010" sah vor knapp vier Jahren kaum schlechter aus als "F1 2013", was nicht wirklich überrascht, denn die acht bzw. neun Jahre alte Hardware der PS3 und der Xbox 360 geben dem Multiplattformspiel sehr enge Grenzen vor. Gegen das neue, laservermessene und fantastisch ausgeleuchtete Brands Hatch aus dem free-to-play Rennspiel "Auto Club Revolution" (2013) sehen alle hier vertretenen Strecken einfach nur flach und tot aus. Und bei so radikalen Autos wie den F1 Kisten wäre auch eine Sichterschütterung wünschenswert, die die wellige Oberfläche der Strecken angemessen wiedergibt. Wenn ich über die Kerbs ratter, geht's doch auch, also wo ist bitte das Problem?

Wenigstens hat Codemasters beim Handling seine Hausaufgaben gemacht, so dass das Fahren ohne oder mit lediglich geringer Traktionskontrolle nun eine ganze Ecke mehr Laune macht als früher. Allerdings bin ich 2014 nicht mehr der gleiche Fahrer, der ich 2010 noch war - oder anders ausgedrückt - ich fahre mittlerweile noch lieber relativ schwere Autos mit einer Spitzengeschwindigkeit um 250 km/h (auf diesem Sektor ist meine Empfehlung weiterhin das 2008er "GTR Evolution", da "Project Cars" auf sich warten lässt) als die pfeilschnellen Formel 1 Boliden, die viele Kurven wie auf Schienen mit kaum verringerter Geschwindigkeit nehmen können und bei denen es in Zweikämpfen eher um Reaktion als um Strategie geht.



Fazit:
Ich will "F1 2013" nicht noch länger schlechter reden als es tatsächlich ist. Das Kernspiel funktioniert ohne wenn und aber etwas besser als in den Vorgängern. Ich durchschaue allerdings mangels vernünftiger Anleitung nicht, an welche Zielgruppe sich "F1 2013" richtet. Die sechs Handbuchseiten vermitteln einem Neuling gar nichts und die Benutzerführung im Spiel selbst ist auch alles andere als prickelnd. Mir ist z. B. immer noch nicht klar, wo sich denn nun die Schalter für den Drehzahlbegrenzer oder die Benzinmenge (oder ist das die gleiche Option oder gar keine?) befinden oder wie und wo ich in der Cockpitperspektive Informationen zu KERS und DRS erhalte.

Wer einen beliebigen Vorgänger sein Eigen nennt, braucht "F1 2013" höchstens, weil er gar nicht ohne die leider halbgaren Classic-Inhalten leben kann und/oder unbedingt im Multiplayermodus unterwegs sein will, wobei ich jetzt zum Veröffentlichungszeitpunkt der "Complete Edition" nicht so furchtbar viele Spieler online gesehen habe, dass ich mir da noch die ganz großen Hoffnungen machen würde, dass man da auf die Schnelle eine gute Partie findet.


Steuerung (15%):
Grafik (15%):
Balance (15%):
Handlung (15%):
Sound (10%):
Zugänglichkeit (10%):
Komplexität (10%):
Spieldauer (10%):


Minimale Konfiguration
des Herstellers:

800 x 600 x 32 und
minimale Details

Core 2 Duo E4600 (2,4 GHz)
GeForce 8600
2 GB RAM
Windows Vista
Internet (Steam)

Empfohlene Konfiguration
des Herstellers:

Auflösung und
Details unbekannt

AMD FX-4100 (3,6 GHz)
Radeon HD 6450 (1 GB)
4 GB RAM
Windows Vista
Internet (Steam)

Meine empfohlene
Konfiguration:

1920 x 1080 x 32 und
maximale Details, 4x AA

Core 2 Quad Q9400 (2,6 GHz)
GeForce GTX 460
3 GB RAM
Windows 7 64
Internet (Steam)