XCOM:
Enemy Within
Commander Edition

Firaxis Games

(15.11.2013)


Das hier sollte eigentlich eine recht kurze Kritik der PC Version der Erweiterung "XCOM: Enemy Within" für das Spiel "XCOM: Enemy Unknown" (2012) werden (wer mit dem Spiel nicht vertraut ist, besser den Hauptartikel erst einmal lesen). Aber die Erweiterung entpuppt sich als so ein seltsames Ding, dass ich die Sache lieber etwas großflächer angegangen bin.

Was ist gegenüber dem Hauptspiel anders?

Ist doch die entscheidene Frage oder? Also als erstes springt das Genetiklabor, "um die physischen Fähigkeiten ihres Teams durch genetische Veränderungen [...] zu steigern", und das Kybernetiklabor, "um den neuen Mechanischen Exoskelet Cyberanzug, den MEC, konstruieren zu können", ins Auge. Was aus dem Genetiklabor kommt, ist fast alles "nice to have", aber töten würde ich dafür nicht. Die MEC Nummer erschließt sich mir hingegen gar nicht. MEC Soldaten bekommen Arme und Beine amputiert, sind in ihren Anzügen großflächige Ziele, können nicht in Deckung gehen, der Flammenwerfer, der den MEC Soldaten auszeichnen soll, macht nicht genug Schaden, um irgendein Alien zu rösten, und die anderen Waffen der MEC Soldaten muss man öfter nachladen als jede andere Waffe im Spiel. Am witzigsten ist aber, dass sie leichter als andere Einheiten per Gedankenkontrolle von den Aliens übernommen werden können.



Der relativ geringe Nutzen der beiden Labore bleibt jedoch lange Zeit verborgen, da es Unmengen der neuen Wunderresource MELD braucht, um sich so richtig auszutoben. MELD fällt augenscheinlich einfach mal so vom Himmel und muss unter Rundenzeitdruck im Missionsmodus eingesammelt werden. Um ganz ehrlich zu sein, besitze ich nicht den Skill und/oder Grips, um das Zeug auf den höheren Schwierigkeitsgraden ab Mitte des Spiels überhaupt noch aufzuklauben, ohne das mir mal eben die halbe Manschaft zur Strafe zusammengeschossen wird, aber na gut...

Außerdem gibt es noch ein paar neue Waffen, Medaillen als Auszeichnung (verschiedene Boni), Ausrüstungsgegenstände und zwei neue Alienklassen. Ich habe mich nicht verschrieben und Du hast Dich nicht verlesen: ZWEI!!! Der Wahnsinn, 10 % mehr als vorher, wo muss ich unterschreiben, damit auch andere Hersteller ihr kreatives Loch ausgerechnet für die Produktion einer Erweiterung nutzen? Wenigstens hat man sich mit 47 zusätzlichen Karten wesentlich mehr ins Zeug gelegt, auch wenn sich nicht leugnen lässt, dass wie schon im Hauptspiel bei der Qualität leider die volle Bandbreite von langweilig bis genial abgedeckt wurde.



Wer ist dieser Feind?

Beim namensgebenden Feind handelt sich sich um EXALT, eine von Menschen geführte Organisation, über die ich nicht mehr verraten möchte, als dass sie versucht die eigenen Bestrebungen zu unterwandern. Das beste an EXALT ist, dass EXALT die einzige neue Zutat ist, die auch Storybrocken zu bieten hat, und wenn es zum Kampf mit EXALT kommt, läuft es etwas anders als bei den anderen Missionen, was das Spiel auflockert, denn es gilt Serverstandorte zu hacken oder zu schützen und dabei auf ein Mannschaftsmitglied (den Hacker) verstärkt zu achten.

Ab der zweiten oder dritten EXALT Mission funktioniert das alles ganz toll. Beim ersten Mal liest man die Missionsbeschreibung mehrmals und trotzdem ist einem nicht so furchtbar klar, was Trumpf ist. Wer auf klassisch oder noch schwerer im Iron Man Modus mit nur einem Spielstand unterwegs ist, hat gute Chancen zehn Spielstunden in der ersten EXALT Mission innerhalb von zehn Minuten zu zernichten, denn ehe man sich versieht, erscheinen gut und gerne 20 EXALT Agenten aus dem Nichts und zerlegen die eigene Truppe innerhalb von drei Runden, hahaha.



Bitte weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen!

Damit wären wir mit allen Neuerungen dann auch schon durch. Ich, der ich schon mehr als 50 Stunden - also fast zwei komplette Durchläufe - mit dem Basispaket letztes Jahr verbracht habe, sehe keine Motivation nach nun über 20 weiteren Stunden mit der erweiterten Spielfassung noch maximal weitere zehn Stunden zu investieren, nur um sagen zu können, ich hätte das Ding zu Ende genudeln. Viel enttäuschender als die wenigen neuen Inhalte finde ich allerdings, dass man die Grafik nicht wenigstens etwas aufgebohrt hat, dass man vor allen Dingen solche Bugs wie diese Zeitlupen, die öfter fast in Standbilder verenden, und seltsame Perspektiven bei aufgesetzten Schüssen nicht endlich in den Griff bekommen hat.

Das Klonpersonal mit seinen behelfsmäßigen Animationen für Arme, Beine und Gesichter und mal eben komplett fehlenden Animationen für Haare und Kleidung sieht 2013 natürlich auch keine Spur besser aus als schon 2012. Heilige Scheiße, Firaxis, Ihr hattet ein ganzes Jahr Zeit, und neben den paar neuen Inhalten ist Euch nicht mal im Traum eingefallen, dass ihr da die ganze Zeit an einem Spiel rumschraubt, das abgesehen von der stimmungsvollen Beleuchtung fatal danach aussieht, als wäre es Mitte des letzten Jahrzehnts veröffentlicht worden?



Wir wollen Dich, Consolero!

Obwohl es auf PS3 und Xbox 360 nichts ähnliches gibt und die internationalen Wertungen durchgängig hoch bis sehr hoch waren, haben sich beide Konsolenversionen von "XCOM: Enemy Unknown" absolut bescheiden verkauft. Die "XCOM: Enemy Within - Commander Edition" enthält daher (und auch aus technischen Gründen) das Hauptspiel und die Erweiterung in einem Paket und ist der Versuch von Firaxis mit möglichst wenig Extraaufwand den reinen Konsolenspielern die Marke diese Weihnachten doch noch irgendwie schmackhaft zu machen, obwohl ich das Gefühl habe, Veröffentlichungen für PS4 und Xbox One wären da geeigneter gewesen...

Die Aktion selbst finde ich jedenfalls vollkommen legitim. Was ich als eine Frechheit empfinde, ist die Tatsache, dass die konsolenexklusive "Commander Edition" auch noch die DLCs "Elite Soldier Pack" und "Slingshot Content Pack" enthält, der ohnehin steamgegängelte PC Spieler aber am besten noch einmal knapp 11 € für beide DLCs zusammen investieren soll. Da es legal ohnehin nicht ohne Steam geht, wäre es sinniger gewesen, "XCOM: Enemy Within" ausschließlich als Download zu veröffentlichen und vor allen Dingen nicht so wie jetzt bis zu 30 € dafür nehmen zu wollen.



PC-Erweiterungskäufer-Fazit:
Wer sich an dem bescheidenen Preis-Leistungs-Verhältnis so gar nicht stört oder besser noch das Basisspiel bisher gar nicht beiseite gelegt hat, der macht mit einem Kauf nichts falsch. Wer sich jedoch eher in dem restlichen Text wiedererkennt, der kann sich den Kauf auch ruhig ganz sparen. Update (03/2014): Schon am 07.03.2014 wurde nun auch für den PC eine sog. "XCOM - Complete Edition" inkl. aller DLCs nachgeschoben. Schönen Dank auch, ich kauf nie wieder am Erstverkaufstag was von Euch.

Konsolen-Erstkäufer-Fazit:
Etwas geileres als die im Vergleich zum Basisspiel noch einmal abwechslungsreichere "Commander Edition" gibt es fast gar nicht. Nutze die Gunst der Stunde und sag einfach alle Familienfeiern ab, weil Du diese Weihnachten erst einmal die "XCOM: Enemy Within - Commander Edition" spielen musst.

Hinweis:
Die Screenshots stammen aus der PC Version, während die Bewertung sich ausschließlich auf die Xbox 360 Version bezieht, weil ich die PS3 Version nie gespielt habe. Insbesondere als nicht gerade glühender Fan des DualShock 3 Controllers möchte ich unter diesen Voraussetzungen keine Aussagen zur Bedienbarkeit machen.


Steuerung (15%):
Grafik (15%):
Balance (15%):
Handlung (15%):
Sound (10%):
Zugänglichkeit (10%):
Komplexität (10%):
Spieldauer (10%):