DUNGEON SIEGE III

Obsidian Entertainment

(17.06.2011)


Außer "Duke Nukem Forever" hat in 2011 wohl kaum ein Spiel mit großen Namen so rasch den Ramschpreisstatus erreicht, wie das von Square Enix bei Obsidian Entertainment, den Meistern der Auftragsarbeit, bestellte "Dungeon Siege III" (DS3). Und da ich die ersten beiden Teile mit Tendenz zum Bildschirmschoner nicht besonders gut leiden konnte, war dann auch der Preis von 12,49 € inkl. Porto für die Xbox 360 Version bei Play.com das entscheidene Kaufargument.



Überraschenderweise ist Square Enix bei "DS3" geradezu konträr zum Serienneustart von "Deus Ex - Human Revolution" (2011) vorgegangen. Mit geringen Aufwand wurde bei Obsidian, nachdem das Originalteam Gas Powered Games nicht in die Puschen kam, in Rekordzeit und ohne viel Tamtam ein Spiel produziert, das sich mit den Vorgängern eigentlich nur noch den Namen teilt, obwohl zunächst auf dem Papier alles nach einer echten Fortsetzung aussieht.

Während "Dungeon Siege" (2002) und "Dungeon Siege II" (2005) jedoch ausschließlich auf dem PC erschienen sind und sich spieltechnisch an den Typ des gemächlichen PC Spielers wendet, der neben der Maus die Tastatur nur sporadisch benutzen möchte, verlangt der neueste Teil durchgehend vollen Einsatz am Gamepad. Oder mal nicht so sachlich ausgedrückt, könnte ich auch sagen: Hier wurde mit voller Absicht auf die Serienveteranen aus Kübeln geschissen, um eine größere Käuferschicht zu erreichen.



Hat kein Stück funktioniert, ist mir aber reichlich egal. Auch wenn offensichtlich ist, dass in erster Linie aus Marketinggründen eine Lightvariante aus "Diablo" und "Dragon Age" erstellt wurde, die dringend noch vor "Diablo III" erscheinen musste, liebe ich das Kampfsystem über alles. Obwohl jeder der vier spielbaren Charaktere nur neun Grundfähigkeiten besitzt, kenne ich kein anderes Hack & Slay Spiel, das derzeit mit "DS3" mithalten kann.

Dies ist besonders für mich um so erstaunlicher, da ich immer der Meinung war, dass Hack & Slay im Stil von "Diablo" aufgrund des Kontrollers auf der Konsole gar nicht richtig funktionieren kann und doch, wenn mich jetzt jemand vor die Wahl stellen würde, ganz isoliert vom restlichen Spiel drei Stunden Mobs in "Diablo II" (2000) oder in "DS3" zu killen, würde meine Wahl sofort auf "DS3" fallen.



Isoliert deshalb, weil wie bereits erwähnt, alles andere in der Lightversion vorhanden ist. "DS3" bietet in einem Durchlauf maximal 15 Stunden Spieldauer. Bereits beim ersten Durchgang hat man absolut jeden Winkel der Spielwelt und vermutlich sogar praktisch alle Items gesehen. Der Aufbau der Geschichte ist fast 1:1 von "Dragon Age: Origins" (2009) geklaut und lediglich ins Königreich Ehb verlegt worden. Beispielsweise wird am Spielende gezeigt, welche Kreise meine Entscheidungen noch gezogen haben.

Die moralischen Entscheidungen, die ich in Form meiner Spielfigur zu treffen habe, sind jedoch gut ausgearbeitet und gehen oft weit über das klassische Schema gute Spielweise, böse Spielweise hinaus. Weniger gut ist leider die Präsentation der Geschichte, die neben einigen miesen Sprechern vor allen Dingen durch fehlende Animationen und Schnitte während der Dialoge völlig unzeitgemäß wirkt. Bei diesem harten Sparkonzept wundert es dann auch nicht, dass Videos oder zumind. Videosequenzen in der Spielengine mit Abwesenheit glänzen.



Von den Dialogsequenzen abgesehen gibt sich "DS3" aber technisch keine Blöße. Der Sound ist satt, die Musik ist oft sehr gut (erinnerte mich komischerweise manchmal an die neueren Batmanfilme) und eine bessere Grafik, auch wenn sie nicht die brutale Dynamik eines "Diablo III" erreicht, habe ich in diesem und ähnlichen Genres auf der Xbox 360 noch nicht gesehen - die Standbilder werden der Qualität leider nicht gerecht. Der PS3 Version fehlen leider einige Effekte, wohingegen auf dem PC alles deutlich schärfer aussieht.

Wie weiter oben erwähnt, gibt es vier spielbare Charaktere: Lucas (Schwert), Anjali (Speer und Feuer), Katarina (Schusswaffen) und Reinhart (Magie). Mit Reinhart kam ich nicht auf Anhieb klar, weshalb er noch auf seinen Durchlauf warten muss, die anderen haben mir und meinem wie immer geschätzten Co-op-Partner "König" Slice a.k.a. Evil Jens jedoch jede Menge Spaß bereitet. Ja, ganz richtig, Co-op!



"DS3" bietet Online einen Co-op Modus für bis zu vier und an einer Konsole bzw. Computer für zwei Personen. Der erste Spieler muss sich dabei um die Ausrichtung der Kamera kümmern, was etwas Übung braucht und bei ganz wilden Gefechten auch gerne mal vergessen wird (hust, hust), ansonsten ist aber unkomplizierter Spaß garantiert, da Questfortschritt und Charakterlevel einfach dem ersten Spieler angepasst werden.

Aber auch im Singleplayermodus ist man nach etwa zwei Stunden immer als Duo unterwegs. Je nach Zusammenstellung ist ein etwas anderes taktisches Vorgehen gefragt und die Kämpfe sind mal leichter, mal schwerer, aber immer im machbaren Bereich. Nur einige Bosskämpfe sind nicht so die Sache von Lucas, da er mehr Zeit als die anderen Charaktere braucht, um in Schlagdistanz zu kommen.



Fazit:
"DS3" wurde bemerkenswert zwischen alle Stühle programmiert. Serienveteranen erkennen ihr Spiel nicht wieder, die Gamepadsteuerung funktioniert besser als Maus und Tastatur, Diablofans fehlen zufallsgenerierte Level, Itemoverkill und individuelle Charakterbuilds und wer eine gute Geschichte schätzt, schüttelt aufgrund der Präsentation eher den Kopf. Als kurzweiliges Aktionspiel mit etwas Story, etwas Ausrüstung, einem guten Co-op Modus und herausragendem Kampfsystem ist "DS3" aber nicht zu verachten. Vermutlich stehe ich damit ziemlich allein da, aber ich würde ein "Dungeon Siege IV" in gleicher Machart kaufen. Die abschließende Bewertung bezieht sich auf die Xbox 360 Version.


Steuerung (15%):
Grafik (15%):
Balance (15%):
Handlung (15%):
Sound (10%):
Zugänglichkeit (10%):
Komplexität (10%):
Spieldauer (10%):