SUPER LUCKY'S TALE

Playful Corp.

(07.11.2017)


Nachdem "Super Mario Odyssey" (2017) für mich ja bekanntlich nicht der Kracher war, wandte ich mich dem Konkurrenzprodukt auf der Xbox One "Super Lucky's Tale" zu. Würde ein relativer Nobody wie Playful Corp. tatsächlich Nintendos Maskottchen etwas vormachen können oder wurde "Lucky" einfach nur dem Veröffentlichungsdatum der Xbox One X geopfert? Finden wir's heraus!

Auf der Rückseite der Verpackung heißt es: "Erlebe eine einzigartige Story- Kampagne [sic] oder spannende Speed- Challenges [sic] gegen deine Freunde." Also die Challenges sind schon mal gar nicht im Spiel. Und die Story ist so ziemlich das unoriginellste Gesülze, das ich mir vorstellen kann. Ein magisches Buch, die Bösen und ich - der kleine Fuchs Lucky - kommen aus dem Nichts und ich rette dann wieder die Welt und meine Schwester, indem ich in ganz anderen Welten herumspringe, obwohl ich zu allem keinerlei Verbundenheit empfinde. Was könnte weniger motivieren?



Da kommt noch was oder?

Wenigstens sehen die sechs Katzenwesen, an dessen Spitze Pappa Jinx steht, vielversprechend aus. Aber was ist das? Die Gegner sind gar nicht richtig vertont, sondern brabbeln nur immer wieder das gleiche Kauderwelsch, während ich den Text schön selbst lesen darf. Wow, die haben zusammen vielleicht zwei DIN-A-4 Seiten Text und alle restlichen Figuren im Spiel noch einmal genauso viel, aber bis auf meine Schwester die am Anfang, zu Beginn jeder Welt und zum Schluss kurz zu hören ist, bleiben alle stumm. Daher also der günstige empfohlene Verkaufspreis von 30 €! ;)

Als quasi Launchtitel für die Xbox One X muss natürlich auch ein genauerer Blick auf die technische Seite gestattet sein. "Optimiert für Xbox One X" prangt auf dem Cover oder genauer gesagt natives 4K Ultra HD hat "Lucky" drauf. Nun weiß ich nicht, wie stark die Xbox One X tatsächlich ist, aber es ist bei einem Spiel mit etwa dem Detailgrad und den Effekten eines guten PlayStation 2 Spiels sicherlich total egal, ob es in 1080p oder 2160p daherkommt, wenn es nicht von komplett unfähigen Programmierern gestrickt wurde.



Exklusiv mit reduzierten Details

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Auf den allerersten Blick schmeichelt "Lucky" dem Auge durchaus. Dem zweiten hält es dann aber nicht mehr stand. Die Gestaltung aller Elemente - egal ob Gegner, Boden, Wasser oder Gebäude - entspricht nicht der Qualität, die ich in diesem Jahrzehnt erwarte. Warum keine echte Beleuchtung? Außer der Hauptfigur Lucky hat niemand einen richtigen Schatten. "Lucky" ist sogar schlechter ausgeleuchtet als etwa die Xbox 360 Version von "Skylanders: Spyro's Adventure" (2011). Entsprechend kommt weniger Atmosphäre auf, als drin gewesen wäre.

Nun könnte man dies so ein Bisschen nach dem Prinzip Masse statt Klasse kompensieren, aber auch hier hält sich "Lucky" unverständlicherweise zurück. Vier relativ kleine Welten gilt es in der Kampagne zu bereisen, von denen sich die ersten drei im Wesentlichen durch ihre friedlichen Bewohner unterscheiden und lediglich die vierte Geisterwelt mit ihrem dunkleren Leveldome heraussticht. Vereinzelt gibt es tolle Abschnitte wie z. B. "Piggy Peril", in dem man sich urplötzlich auf einer 50er Jahre Farm befindet, aber das ist an Auflockerung am Ende einfach zu wenig.



3D - oh je!

Es wäre vermessen zu erwarten, dass ein Jump & Run Spiel im Jahre 2017 an kein anderes Spiel gleicher Machart erinnert, aber "Lucky" ist überdeutlich ein Kind der beiden Wii U Titel "Super Mario 3D World" (2013) und "Donkey Kong Country: Tropical Freeze" (2014). Praktisch jede Spielmechanik kann einem der beiden Titel zugeordnet werden. Anstatt Sternen werden lediglich vierblätterige Kleeblätter gesammelt - wer "Super Mario Galaxy" (2007) kennt, weiß sofort woher die Animation am Ende jedes Levels geklaut ist - und anstatt der KONG Buchstaben und Bananen gibt es eben LUCKY Buchstaben und Münzen.

Nur leider kommt "Lucky" an beide Vorbilder nicht heran. Hauptsächlich wird in einer 3D Umgebung gespielt. Das geht genau so lange gut, bis ich springen muss - und ich muss verdammt oft springen. Sobald Lucky sich in der Luft befindet, kann ich nicht mehr sehen, wo genau er sich befindet. Mir ist schon klar, dass der absichtlich falsch geworfene Schatten mir die Orientierung erleichtern will, aber irgendetwas stimmt mit der Perspektive nicht, was mich dann auch die allermeisten Leben gekostet hat. In 2D gibt es diese Probleme nicht, dafür bleibt die Kamera aber in der Vertikalen völlig starr, auch wenn ich den Bildbereich mit einem Sprung komplett verlassen habe, was aber nur vereinzelt passieren kann.



Ein Spiel für die ganze Familie?

Anders als "Odyssey" vor zwei Wochen hat "Lucky" über die vier Welten hinweg einen deutlich ansteigenden Schwierigkeitsgrad und erwartet vom Spieler, dass immerhin 80 der 99 Kleeblätter eingesammelt werden. Trotzdem bleibt das Spiel auch gegen Ende ungefähr in dem Rahmen, der von einem Kind unter zehn Jahren in der Regel ohne Hilfe bewältigt werden kann. Die drei ersten Bosskämpfe sind im Gegenteil für einen Erwachsenen immer noch deutlich zu leicht, aber dafür muss man an anderer Stelle ganz schön ran, wenn man viele Kleeblätter erwischen will.

Apropos Kleeblätter: In den Standardlevels kann man vier Kleeblätter erhalten. Nur wie, darüber schweigt sich die - wie auf der Xbox One üblich - nicht vorhandene Anleitung aus. Am Ende des Levels gibt es eines zur Belohnung, klar, das kapiert jeder. Und das mit den fünf LUCKY Buchstaben spannt man auch schnell. Aber was will das Fragezeichen und die Pfote von mir? Nun, die Pfote ist erfüllt bei 300 Münzen und das Fragezeichen steht für ein Kleebatt, dass sich wirklich ohne durchgehende Systematik irgendwo im Level z. B. in einem Fass befinden kann oder auch mal voraussetzt, dass ich innerhalb kürzester Zeit einen schwierigen Weg meistere.



Fazit:
Wäre die Geschichte nicht ganz so schlecht und der Patzer mit der Steuerung im 3D Modus nicht ganz so ärgerlich, würde ich sicherlich insgesamt anders über "Super Lucky's Tale" denken, denn ansonsten macht Playful Corp. kaum etwas richtig falsch. So aber reibe ich mich auch an den vielen anderen Sachen, die jede für sich nur ein Bisschen stören: Die magere Grafik, die fehlende Vertonung, die mangelnde Originalität und der mit maximal zehn Stunden nicht gerade gigantische Umfang. Sicherlich kann man später einmal mit einem Kauf vom Grabbeltisch nichts falsch machen, aber irgendwie ist das nicht der richtige Maßstab.

Wer ein gutes Spiel und am besten sogar noch mit seinem Kind zusammenspielen will, der ist mit den schon erwähnten "Super Mario" und "Donkey Kong" Titeln für die Wii U besser bedient - oder auch mit einem Multiplattformtitel wie "Skylanders: Swap Force" (2013). Daran lässt sich nicht rütteln und daran muss sich der Launch Titel für die Xbox One X am Ende messen lassen, der mir gerade grafisch so überhaupt nicht für die neueste Xbox optimiert erscheint. Vielleicht ist aber der Trend zu 4K im Konsolenbereich ohnehin ein Irrweg, weil man mit der Rechenpower besseres anfangen könnte, als lediglich die native Auflösung zu erhöhen.


Steuerung (15%):
Grafik (15%):
Balance (15%):
Handlung (15%):
Sound (10%):
Zugänglichkeit (10%):
Komplexität (10%):
Spieldauer (10%):