TOCA RACE DRIVER 3

(DTM Race Driver 3)

Codemasters

(22.02.2006)


Update (08/2006) - Patch 1.1 und was nun?
Ich hätte mir die Email aufbewahren sollen, die ich im März von Codemasters erhalten habe. Also da stand in etwa, dass manche Probleme sich immer erst bemerkbar machen, wenn das Spiel von wesentlich mehr Spielern auf einer viel größeren Anzahl von Computern gespielt wird. Insbesondere sei man sich der Problematik der zu aggressiven Computergegner bewusst und gelobte mit dem bald erscheinenden Patch Besserung.

Nunmehr ein halbes Jahr nach Veröffentlichung und nachdem Patch 1.1 draußen ist, aber nichts daran gedreht hat, kann man wohl davon ausgehen, dass der Patch zur Beseitigung dieses Problems nicht mehr kommen wird und die ganze Nummer von Codemasters damals nichts anderes als eine Beschwichtigung war, um potentielle weitere Käufer in der heißen Phase nicht abzuschrecken, wenn die bisherigen Käufer auf die Barrikaden gehen.
 

Original Beitrag (03/2006):
Nachdem seit "Need For Speed: Porsche" (2000) und "GrandPrix 3" (2000) realistischere Autorennspiele auf dem PC lange Zeit qualitativ total abtauchten, war ausgerechnet die Consolenumsetzung "ToCA Race Driver" (aus Gründen des Marketings firmiert die Serie in Deutschland unter dem Label "DTM") im Jahr 2003 die Offenbarung.

Nunmehr versucht der dritte Teil gegen solche leichtbereiften Publikumslieblinge wie "Need For Speed - Most Wanted" und solche Schwergewichte wie "GT Legends" sein Terrain unter dem Motto höher, schneller, weiter abzustecken.

Die Steuerung während der eigentlichen Rennen geht in Ordnung (ich habe kein Lenkrad mit Forcefeedback und kann die Mängel, von denen ich in diesem Bereich gehört habe, daher nicht beurteilen). Die verschiedenen Autos fahren sich angenehm unterschiedlich, bleiben dabei aber in ihrem Verhalten immer nachvollziehbar. Eine echte Cockpitperspektive wäre zwar wünschenswert gewesen, aufgrund der durchweg brauchbaren Anzeigen kann ich dies jedoch verschmerzen.


Etwas anders sieht es bei den Menüs aus, die 1:1 aus der Consolenversion übernommen worden sein müssen. Die einzelnen Menüpunkten sind so groß, dass man das Gefühl hat, man würde direkt mit der Nase am Monitor hängen. Zwar ist die Schrift dadurch angenehm groß und gut lesbar, aber die einzelnen Menüs verschachteln sich soweit, dass man schon mal durch den Menüdschungel eiert und, so wie mir zweimal passiert, einen Spielstand verliert. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass das Spiel nicht nur das Carsetup sondern tatsächlich den gesamten Fortschritt abspeichert.

Auch beim Sound ist man in meinen Ohren nah dran gewesen. Nur fetter und bissiger hätten die meisten Motoren noch klingen müssen. Die Menümusik düdelt angenehm dahin und im Kontrast dazu scheppert es ordentlich, wenn man mit 200 Sachen in die Absperrung geht. Wie üblich muss man die englische Version spielen, wenn man keine Krämpfe bei den Ausführungen des Mechanikers während der Cutscenes bekommen will. Außerdem redet er dann lippensynchron.

Etwas seltsam finde ich, wenn man plötzlich den Gegner deutlich hört, obwohl dieser noch weit hinter einem ist. Wenn er sich dann weiter nähert, erhöht sich dessen Motorenlautstärke jedoch nicht mehr. Da muss es programmiertechnisch lediglich einen binäre Lösung geben.

Grafisch hat sich in meinen Augen seit dem ersten Teil fast nichts getan. Mag die eine oder andere Himmelstextur jetzt besser sein, mögen sich die Autos etwas schöner als noch in der Vergangenheit zerlegen, insgesamt ist Stillstand zu verzeichnen und die Regenrennen sehen sogar deutlich schlechter als früher aus. Dazukommt, dass in der derzeitigen Version die Replays nicht immer einwandfrei ablaufen, was sich darin äußert, dass man auf einmal quer durch die Botanik sägt. Das Bild oben stammt übrigens aus so einem Replay.


Die immer noch grottenhässlichen Zuschauer, Gebäude und Aufbauten sowie den insgesamt etwas blässlichen Gesamteindruck hätte ich besser weggesteckt, wenn sich die Systemanforderungen nicht deutlich gesteigert hätten. Wo früher ein Prozessor mit 800 MHz und eine GeForce 1 bereits für Schwung sorgte, müssen es nun wenigstens 1,4 GHz und GeForce 3 sein.

Wer geglaubt hat, dass sich mit modernster Hardware doch noch etwas kitten lässt, den muss ich enttäuschen. Die vorab veröffentlichten Screenshots sind entweder alle fantastisch abgepasst oder geschönt. Unter diesen Umständen überrascht es auch nicht, dass das Spiel selbst keine Möglichkeit bietet Screenshots aufzunehmen und ich erst ein Captureprogramm bemühen musste. Die hier verwendeten Screenshots wurden bei vollen Details auf einer Shader 3.0 Karte geschossen... naja, und das Ergebnis sieht man ja: Abseits der Autos und des Straßenbelags ist nicht viel los.


Wie sich im Spielverlauf herausstellt, ist der Karrieremodus praktisch unspielbar, da mehrere sehr schnelle Open Wheel Meisterschaften einen zur Verzweiflung treiben. Darüberhinaus verhalten sich auch andere sehr schnelle Rennserien wie etwa die DTM lächerlich unrealistisch mit völlig überzogenen Beschleunigungs- und Bodenhaftungswerten.

Selbst im Pro Career Mode mit ausschließlich GT und Touring Autos kommt auf höheren Schwierigkeitsstufen schnell Frust auf, da man innerhalb des Pulks von den Computergegnern bei erstbester Gelegenheit rausgekegelt wird. Während man selbst Strafen hierfür und für das Schneiden von Kurven auferlegt bekommt, scheint die KI hier nichts zu fürchten zu haben. Das kann man zwar abschalten, aber dann kann ich auch gleich querfeldein fahren.

Nervig ist diese Strafregelung auch im Qualifying. Wenn ich außen in der Kurve auf den Rasen komme und anschließend auch noch langsamer fahren muss, bis die Reifen wieder sauber sind, dann habe überhaupt keinen Vorteil errungen, für den mir auch noch die Runde aberkannt werden muss.

Außerdem ist es mir jetzt schon zweimal in Rennen ohne Booster oder ähnlichem passiert, dass ich mich im Windschatten des Führenden befand und dieser dann noch urplötzlich 20 km/h drauflegen konnte, obwohl dies weder von der Drehzahl noch des Drehmoments überhaupt möglich hätte sein dürfen.

Auf der Habenseite kann lediglich verbucht werden, dass man sich den entscheidenen Geschwindigkeitsvorteil durch ein geschicktes Setup verschaffen kann.


Von meinen Schwierigkeiten mit dem Menü einmal abgesehen, ist die "Race Driver" Serie seit jeher so einsteigerfreundlich wie ein Autorennspiel es überhaupt sein kann. Wer es nicht so komplex oder schwierig mag, kann entsprechende Optionen einfach deaktivieren. Sehr vorbildlich! Entsprechend feiert man auch als Neuling Erfolge und bleibt sofort dabei.

Bei der Handlung ist man geneigt, ein bildschirmfüllendes BUH! zu schreiben. Teil 1 und 2 zeigten mit ihren Geschichten, dass Rennspielen eine Rahmenhandlung richtig gut tut. Nunmehr wird einem lediglich ein Karieremodus hinterhergeworfen. Wo früher Menschen und ihre Beziehungen im Mittelpunkt standen, geht es jetzt nur noch um Autos. Das ist nicht nur inhaltlich schwach, sondern auch noch schwach umgesetzt, da nicht verschiedene Kenner der Autos auftreten, sondern immer ein und der selbe Mechaniker sein Flachwissen zum Besten gibt.


Links, rechts, geradeaus. Okay, man muss noch ein Gefühl für das jeweilige Auto entwickeln und wenn man partout nicht gewinnen kann, dann muss man auch ein Verständnis dafür entwickeln, mit welchen Einstellungen ich das Auto mehr an meine bzw. an die Bedürfnisse der Strecke anpasse. Den Bogen hat man jedoch schnell raus, denn auf Straßenbelag gilt in Spielen mit halbherziger Simulationstiefe immer, das Auto so ruhig und so tief wie möglich einzustellen und nur minimal übersteuern zu lassen.

Fazit:
Da ich das Spiel nicht durchgespielt habe, kann ich derzeit die Spieldauer der verschiedenen Karrieremodi nur auf über 50 Stunden schätzen. Die Lust auf den Multiplayermodus ist mir ohnehin schon vergangen.

Wenn man zu dem Punkt gekommen ist, dass man ein Rennen zum 20. Mal neu starten muss, dann will man nur noch mit der Faust in den Monitor schlagen. Wenn ein Startzielsieg (übrigens auf Dauer langweilig) nicht möglich ist, sondern man sich von Platz 3 vorarbeiten muss, aber jedes Mal schon innerhalb der ersten Runde rausgekegelt wird, dann kann ich da keinen Spaß mehr empfinden, dann ist das nur noch ätzend.


Steuerung (15%):
Grafik (15%):
Balance (15%):
Handlung (15%):
Sound (10%):
Zugänglichkeit (10%):
Komplexität (10%):
Spieldauer (10%):


Minimale Konfiguration
des Herstellers:

640 x 480 x 32 und
minimale Details

Athlon TB 1,4 GHz
GeForce 3
256 MB RAM
Windows XP

Meine empfohlene
Konfiguration:

1280 x 1024 x 32 und
mittlere Details

Athlon XP 2000+
GeForce 4 Ti4200
512 MB RAM
Windows XP

Meine empfohlene
Konfiguration:

1280 x 1024 x 32 und
maximale Details

Athlon XP 2600+
GeForce 6600 GT
512 MB RAM
Windows XP